Der Ruf nach meinem nun 4. Camino, dem Camino Portugues Küstenweg wurde schon im letzten Jahr immer lauter. Der passende Moment für den Aufbruch war aber noch nicht ganz reif. So durfte die Idee und der innere Ruf danach erst einmal überwintern.

Bei meinem Camino Portuguese vor drei Jahren standen wir in Villa de Conde vor der Entscheidung:

Camino Portugese Central (Inlandsroute) oder den Camino Portugese Küstenweg (Atlantikroute) gehen?

Aufgrund des fehlenden Kartenmaterials und der schon getätigten Vorbereitung auf die Central-Route fielen die Würfel dafür.

Der Küstenweg schlummerte aber immer im Verborgenen in meinem Hinterkopf. Im Mai war nun der richtige Zeitpunkt gekommen. Die Frage nach welchem Jakobsweg stellte sich nicht mehr wirklich.

Der heiß geliebte Atlantik und seine wilde Küste hat mich nun gerufen und soviel schon vorab, ich wurde nicht enttäuscht.
Im Folgenden gibt meinen Photoblog, welchen ich auf Facebook und Instagram während des Pilgern gepostet habe. Gespickt habe ich meine Bilder vom Camino Portugese Küstenweg mit einigen für mich passenden Zitaten gemischt mit persönlichen Erfahrungen und Eindrücken.

Ich werde noch weitere Artikel mit Routeninfos, meine Übernachtungsliste in Pensionen, Guesthouses, Hotels und Herbergen und eine überarbeitete Pilger-Packliste inkl. Tipps+Tricks zusammenstellen und nach und nach auf meinem neuen Blog Soul-Traveller veröffentlichen.

Alle Fotos in diesem Beitrag habe ich mit meinem iPhone 6S in Kombination mit der Hipstamatic App  gemacht. 

 

Camino Portugues Küstenweg

Auf dem portugiesischen Jakobsweg der Küste entlang von Porto nach Santiago de Compostella

 

ANKOMMEN in Porto

Ankommen auf portugiesischen Boden in Porto. Viele Verzögerungen prägen meinen Start.

Fliegerverspätung;
 Toilette im Flieger defekt; 
Taxifahrer setzt mich um Mitternacht in einem dunklen Viertel in Porto am falschen Haus ab.
Nicht schlecht für den Anreisetag, dachte ich.
Geduld + Annehmen + menschliche Engel = ein inneres Lächeln
wurde das Mantra und die passende Formel für den ersten Tag

Wenn ich dem nachrenne,
von dem ich denke,
dass ich es will,
bestehen meine Tage aus
einer Abfolge von Stress und Aufregung.
Wenn ich an meinem eigenen Ort
der Geduld verweile,
dann fließt,
was ich brauche, zu mir – und zwar ohne Schmerz.
Daraus schließe ich,
dass das, was ich will, mich auch will.
Es sucht nach mir und zieht mich an.
Rumi

 

LOS GEHT’S: Porto – Lavra – Vila do Conde

Greetings aus Villa do Conde – 1. Etappe hinter mir – Sonne und Wind – Mittlerweile kann man von Porto bis Villa de Conde direkt am Meer laufen.

Die Holzstege wurden weiter ausgebaut. Ich bin in einem schnuckligen Guesthouse untergekommen und habe direkten Blick auf den kleinen Hafen. Das alte Boot ist auch noch da. Vieles ist vertraut (war vor drei Jahren schon einmal da) und doch ist alles anders.

„Jede Reise hat eine geheime Bedeutung, von der der Reisende selbst nichts weiß.“
Martin Buder

 

DANKBARKEIT: Vila do Conde – Esposende

„Sage mir, was hast du vor mit deinem,
einen, wilden, kostbaren Leben?“
Zitat von MARY OLIVER

Weiter geht’s in traumhafter Natur immer dem Atlantik entlang. Tiefe Dankbarkeit spüre ich diesen Weg gehen zu können.

 

DEMUT: Esposende – Viana do Castelo

„Der Standhafte bleibt unverwirrt.“
Krishna zu Arjuna – Bhagavad Gita

Die schönste Etappe steht heute an. Vorbei am Atlantik, durch Eukalyptuswälder, Flüsse und die Pflanzen blühen und strahlen um die Wette. Mutter Erde zeigt sich von ihrer allerschönsten Seite.

Mittlerweile habe ich ziemliche Probleme mit meinen Schuhen und somit jetzt auch mit meinen Füßen.
Die sind an einer Stelle zu schmal und da habe ich jetzt schöne Blasen und muss in Viana do Castello erstmal pausieren. Füße erholen und nach meinem Schuhproblem schauen steht nun ganz oben auf dem Programm.

 

PAUSE: Viana do Castelo

„Wenn die Aufmerksamkeit der Aufmerksamkeit Aufmerksamkeit schenkt,
dann ist es Aufmerksamkeit.
Wenn nicht, ist es Unaufmerksamkeit.“
Osho

Lege nun Viena do Castelo meine erste Pause + einen Blasenerholungstag ein.
Gott sei Dank hat dort am Sonntag ein großes Shopping Center auf. 
Habe jetzt eine Gelsohle und viel dünnere Socken + ein Nylonstrumpf von den Ladies, ist ein Geheimtipp und soll die Reibung verhindern.
Die Mädels vom Verkauf hatten auch ihren Spaß mit mir, als ich die Nylons kaufte! Ob sie verstanden haben, warum ich diese Nylons kaufe… ich weiß es nicht wirklich.

 

WEITERGEHEN: Viana do Castelo – Curraco – Paco – Afife

„Ich gehe langsam, aber ich gehe nie zurück.“
Abraham Lincoln

Meine Etappen habe ich als zusätzliche Maßnahme bis auf weiteres verkürzt. Bei bestem Wetter atme ich den Atlantik und das Meer ein.
 Gehe darin auf. Liege in Sanddünen. Laufe langsam und komme trotzdem an.
Aber nicht irgendwo, sondern bei Carlos in seiner einzigartigen Casa. Ein unglaublicher Mann. Er sei ein Träumer, sagt er von sich. Morgen mehr von ihm.

 

POESIE: Afife – Vila Praia Ancora – Caminha

„Du fragst nach einer Rose – lauf vor den Dornen nicht davon. Du fragst nach dem Geliebten – lauf vor dir selbst nicht davon.“
Rumi

Komme von Carlos und seiner Casa auf dem Hügel mit Meerblick auf den Atlantik nicht los.
Er hat mir ein Abendessen und ein prächtiges Frühstück kredenzt. Wir tauschen uns aus – sind auf einer Wellenlänge. 
Er ist mir altersmässig aber über 25 Jahre voraus und der Philosophie-Lehrer zeigt mir immer mehr von seinem Lebenswerk und was aus seinen Träumen es schon in die Realität geschafft hat.

Aus dem dahinter liegenden Eukalyptuswald hat er einen „Poesie-Garten“ gemacht oder ist immer noch dabei.

Worte mögen es nicht beschreiben was er dort zum Ausdruck bringt.  Schweren Herzens breche ich am späten Vormittag auf und gehe zurück auf den Caminio.
 Seine Impulse werden noch lange in mir nachhallen…

 

UNBESTÄNDIGKEIT: Caminha – Vila Nova de Verveira

„The pain and the power came from the same source.“
„Der Schmerz und die Kraft kommt aus der selben Quelle.“
Cheryl Strayed

Verlasse heute die Atlantikküste und gehe weiter dem Rio Mino entlang. Alles kommt und geht. Es passiert zu jedem Zeitpunkt und nichts hat Bestand, außer der eine Moment im Hier und Jetzt.

Die Temperaturen klettern hoch an die 30 Grad Marke, es fehlt der Wind vom Meer und das ungeliebte portugiesische Kopfsteinplaster fordert erneut meine Füße.

 

BEGEGNUNG: Vila Nova de Cervera – Valencia – Tui

Spiegelung der Vergangenheit im Hier und Jetzt. Treffe in der Casa Gwendoline auf Fiona. Irgendwann stellen wir fest, dass wir vor über 20 Jahren beim gleichen Meditations-Lehrer, Pir Vilayat in den Tessiner Alpen waren. Der Camino hält so einige überraschende Begegnungen bereit.

Zuerst dachte ich es sein lästiger Umweg über die Hügel zur Casa von Fiona und wollte schon in die schnöde Herberge direkt unten am Rio Mino einchecken.

Umwege sind doch die schönsten Wege. . .

 

GRENZGANG: TUI

Überquere heute den Rio Mino und somit verlasse ich Portugal und pilgere nun auf spanischem Boden.

Aus muito obrigado wird nun also muchas grazias.

Ab hier verdichtet sich der Camino. Der Camino Portugese Central (Inlandsroute) und der Camino Portugese Küstenweg (Atlantikroute) kommen hier zusammen.

Gleichzeitig starten auch sehr viele Spanier hier Ihren Camino in Richtung Santiago de Compostella, da hier die letzen 100km anbrechen.

 

FRAGEN: TUI – O Porriño

Heute verdichten sich die immer wiederkehrenden Fragen. Finde keine befriedigende Antworten, auf einmal wird mir klar, sie brauchen gar keine.

In dem gleichen Moment erscheint es mir fast schon surreal und es scheint fast wie einer Art Beschäftigungstherapie für den Verstand, dem verrückten Affen zu sein.

„Life is not a problem to be solved,
it’s a mystery to be lived.“
Osho

 

STILLE: O Porriño – Mos – Redondela- Cesantes

no words

„In der tiefsten Tiefe des Herzens
herrscht völliges Schweigen und Verstehen.“
Safi Nidiaye

 

VERDICHTUNG: Cesantes – Arcade – Pontevedra

Die stark zunehmenden Gruppen verdichten das Pilgern. Versuche meinen Rhythmus und innere Stille aufrecht zu erhalten.

Laufe trotzdem immer wieder mit Anderen Pelegrinos für ein paar Kilometer zusammen um mich dann, wenn der Impuls kommt, wieder zu verabschieden.

Manchmal trifft man sich wieder, manchmal nicht…
Alles kommt und geht, wie ein zarter und zugleich starker Fluss.

BUT

„Don’t push the river: It flows by itself.“
Barrey Stevens

 

SCHLENDERGANG: Pontevedra

Heute halte ich mich ganz eng an die Zeilen von Kurt Tucholsky:

„Entspanne dich. Lass das Steuer los. Trudle durch die Welt. Sie ist so schön.“

und schlendere durch das traumhaft schöne Pontevedra.

 

MONOTONIE: Pontevedra – Portala – Caldas de Reis

Starte heute sehr früh, die Stadt schläft noch. Der Camino ist heute nicht sehr sexy. Monoton.

So chante ich meine Mantren und die Kilometer verfliegen förmlich, bis sich eine Blase bemerkbar macht. Komme vor dem Gewitter und dem Regen in Caldas de Reis an.

„You only live once, but it is forever.“
Mooji Baba

 

INNENSCHAU: Caldas de Reis – Santa Maria – Padrón

Rede heute keine 10 Sätze auf dem Camino. Alles geht nach innen. Der aufkommende Regen und das Regencape bilden ein eigenes Universum.

Nach den besten Tortillas in einem edlen und gleichzeitig urigem spanischen Restaurant pilgere ich noch auf den Santiageino do Monte, dem Jaköbchen der Berge. Ein wahrlich mystischer Ort.

he destroys all illusions
he destroys everything that is not true
that is SHIVA

 

FREUDE: Padrón – Teo – Santiago de Compostela

Heute geht’s also nach Santiago. Das gibt mir die extra Power für die letzten knapp 26km. Vorfreude & Dankbarkeit wechseln sich ab. Bin sehr berührt und ergriffen als ich ankam. Majestätisch blickt mich die Kathedrale aus der Ferne irgendwann an.

„Wenn dich dein Mut verlässt, dann gehe über deinen Mut hinweg.“
Cheryl Strayed

„Haben Sie den Mut der zu SEIN, der sie wirklich sind!“
Pir Vilayat Inayat Khan

 

RAM RAM: Santiago de Compostella

Nicht einmal der unglaubliche Touristenrummel kann dem Glanz und der Kraft der Kathedrale etwas anhaben. Sowohl außen wie innen.

Die Kathedrale von Santiago, dass Ziel eines jeden Pilgers auf dem Jakobsweg. So unterschiedlich jeder von uns diesen Camino auch gegangen ist, so hat er doch eine unglaublich verbindende Kraft.

Jedoch:

„Du musst den Camino alleine gehen, sonst gibt er sein Geheimnis nicht preis!“
Stella

Und:

„Der Camino nimmt dir alle Kraft und gibt sie dir dreifach zurück.“
Hape Kerkeling

 

ONE: Cabo Finisterre: Am Ende der Welt

now
I am sitting here
at the mountain top
of my own being
and there is nothing
nothing else as the whole universe.

thanks for travelling with me, dear companions.
we are one.

Love, Peace and Light to All
Amrit

 

Fazit zum Camino Portugues Küstenweg

 Ich bin auf sehr unterschiedliche Meinungen, Erfahrungswerte und auch Wahrnehmungen über den Camino Portugues Küstenweg von an Pelegrinos gestossen.

Mein Fazit ist eindeutig – genau mein Ding und ich liebe diesen Weg. Vor allem wegen der unmittelbaren Nähe zum Meer, der rauen Atlantikküste. 

Allerdings steigen die Pilgerzahlen steil nach oben. Der Camino Portugues galt schon immer als idealer Jakobsweg für Einsteiger.

Er hat ein mehr als machbares Höhenprofil mit moderaten Tagesettapen und einer geringen Gesamtdistanz.

So kann man von Porto nach Santiago de Compostela in 14 Tagen die rund 250 – 270km, je nach Variante absolvieren, ohne in großen Laufstress zu kommen.

Im direkten Vergleich zu 2015, als ich den Camino Portugues Central gepilgert bin und nun 2018 ist die Pilgerzahl spürbar angestiegen. Sehr deutlich wird dass vor allem ab der spanischen Grenze in TUI.

Sehr gerne gehe ich ein paar Kilometer mit jemandem zusammen, gleichzeitig suche und liebe ich auch das selbstversunkene Laufen über Kilometer und Stunden hinweg. 

Sollte dieser Trend sich so fortsetzten, wird dieser Caminospirit immer mehr verblassen. Spätestens wenn man in Santiago de Compostela ankommt und der Touristen-Wahn-Sinn auf einen einströmt, weiß man der Camino ist zu Ende.

Es wird sicherlich nicht mein letzter Camino gewesen sein, zu stark ist der mystische Spirit und auch die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen rund um den Jakobsweg.

Welcher es dann irgendwann sein wird. . . er wird mich wieder rufen!

In diesem Sinne,

Bon Camino
Amrit